Beitrag von Clara Hartmann
Hamburg – Ein Donnerschlag nach dem anderen traf den Hamburger Flughafen: Innerhalb weniger Tage verkündeten gleich drei große Airlines – Ryanair, Eurowings und Condor – ihren Rückzug. Ab 2025 wollen sie ihr Flugangebot in Hamburg drastisch reduzieren. Der Grund: die stetig steigenden Steuern und Gebühren. Diese Entwicklungen werfen für viele Passagiere und Wirtschaftsexperten Fragen auf, was dies für die Zukunft des Flughafens und den Wirtschaftsstandort Hamburg bedeutet. Während die CDU ein düsteres Szenario prophezeit und von einem „Provinzflughafen“ spricht, gehen Umweltschützer noch einen Schritt weiter und behaupten, die Flugpreise seien trotz der höheren Kosten nach wie vor zu niedrig.
Ursachen der Entscheidung: Hohe Steuern und Gebühren
Die Entscheidung von Ryanair, Eurowings und Condor, ihre Kapazitäten am Hamburger Flughafen zurückzufahren, basiert hauptsächlich auf gestiegenen Betriebskosten. Vor allem die höheren Steuern und Flughafengebühren setzen den Airlines zu. Ein Brancheninsider kommentiert: „Hamburg gehört bereits zu den teureren Flughäfen in Deutschland. Wenn jetzt auch noch die Abgaben steigen, wird es für die Airlines zunehmend unrentabel.“
Für viele Fluggesellschaften sei es daher attraktiver, auf günstigere Standorte in anderen Städten oder Nachbarländern auszuweichen. Günstige Flugtickets, wie sie vor allem Ryanair bekannt gemacht haben, könnten auf Dauer mit solchen Kostenstrukturen nicht aufrechterhalten werden.
Wirtschaftliche Folgen für Hamburg
Die Auswirkungen dieses Rückzugs könnten weitreichend sein. Die CDU warnt bereits vor einem „Provinzflughafen“, der an Bedeutung verliert und das Wirtschaftsleben in der Hansestadt erheblich schwächen könnte. Flugverbindungen zu wichtigen europäischen und internationalen Wirtschaftszentren sind ein entscheidender Faktor für die Attraktivität eines Standorts. Werden diese Verbindungen reduziert, könnten Unternehmen langfristig ihre Standortwahl überdenken. Besonders die Tourismusbranche, aber auch der Handelssektor, der stark auf eine gute Erreichbarkeit angewiesen ist, dürften betroffen sein.
Der Luftfahrtexperte Hans Müller warnt: „Wir könnten einen massiven Rückgang an internationalen Verbindungen erleben. Gerade Geschäftsreisende und Touristen könnten zukünftig auf andere Flughäfen ausweichen müssen.“
Umweltverbände: Noch immer zu günstige Ticketpreise?
Auf der anderen Seite sehen Umweltaktivisten die Entwicklung mit gemischten Gefühlen. Viele fordern seit Jahren eine Reduktion des Flugverkehrs und höhere Preise, um den klimaschädlichen Luftverkehr einzudämmen. Sie argumentieren, dass trotz der jüngsten Erhöhungen die Ticketpreise noch immer zu niedrig seien, um eine echte Lenkungswirkung zu entfalten. Die Preise müssten weiter steigen, um den Luftverkehr langfristig umweltfreundlicher zu gestalten.
„Der Luftverkehr ist eine der klimaschädlichsten Transportarten. Solange es immer noch möglich ist, für wenige Euro quer durch Europa zu fliegen, wird sich daran wenig ändern“, so eine Sprecherin von Greenpeace. Der Rückzug der Billigflieger könnte daher aus umweltpolitischer Sicht auch positive Effekte haben.
Was bedeutet das für die Passagiere?
Für Reisende wird die Entwicklung vor allem in zwei Bereichen spürbar sein: zum einen in einer Verknappung des Flugangebots und zum anderen in steigenden Preisen. Weniger Flugverbindungen bedeuten längere Umsteigezeiten und möglicherweise auch die Notwendigkeit, von anderen Flughäfen abzufliegen. Darüber hinaus könnten die Preise durch die reduzierte Konkurrenz weiter anziehen.
Ein Hamburger Luftfahrtexperte fasst die Situation zusammen: „Wir haben hier eindeutig das Ende der Fahnenstange erreicht. Die Preise werden weiter steigen, und die Passagiere müssen sich darauf einstellen, dass das Fliegen nicht mehr so günstig und einfach sein wird wie bisher.“
Fazit
Die Entscheidung von Ryanair, Eurowings und Condor, ihre Flugverbindungen ab 2025 in Hamburg zu reduzieren, ist ein Signal für tiefgreifende Veränderungen im Luftverkehr der Hansestadt. Während die einen wirtschaftliche Nachteile und eine Abwertung des Flughafens befürchten, sehen Umweltschützer eine Chance, den klimaschädlichen Flugverkehr einzudämmen. Für Passagiere bedeutet es jedoch in erster Linie höhere Kosten und weniger Komfort. Die kommenden Jahre werden zeigen, in welche Richtung sich der Hamburger Flughafen und der Luftverkehr insgesamt entwickeln.