Mit großer Trauer nehmen wir Abschied von Rosa von Praunheim, einer prägenden Persönlichkeit des deutschen Films und einer der wichtigsten Wegbereiter der LGBTQIA+-Bewegung in Deutschland. Der Filmemacher, Autor, Künstler und Aktivist verstarb am 17. Dezember 2025 im Alter von 83 Jahren.
Geboren am 25. November 1942 als Holger Radtke, wurde Rosa von Praunheim zu einer unverwechselbaren Stimme der deutschen Kulturlandschaft. Über Jahrzehnte hinweg setzte er sich mit außergewöhnlicher Konsequenz für Sichtbarkeit, Aufklärung und gesellschaftliche Veränderung ein. Sein Schaffen war stets politisch, persönlich und kompromisslos – und genau darin lag seine besondere Kraft.
Bereits 1971 schrieb er mit dem Film „Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt“ Film- und Zeitgeschichte. Das Werk gilt als Auslöser der modernen Schwulen- und Lesbenbewegung in Deutschland und machte erstmals die Lebensrealitäten homosexueller Menschen einem breiten Publikum zugänglich. Es war ein mutiger Tabubruch in einer Zeit, in der Offenheit noch mit erheblichen persönlichen Risiken verbunden war.
Rosa von Praunheim realisierte mehr als 150 Filme – Dokumentationen, Spielfilme, Porträts und experimentelle Arbeiten. Immer wieder rückte er Außenseiterinnen, Künstlerinnen, Aktivist*innen und starke Frauen in den Mittelpunkt. Seine Filme waren unbequem, emotional, provokant und zugleich zutiefst menschlich. Er verstand Film als Mittel des Widerstands, der Aufklärung und der Selbstermächtigung.
Neben seinem filmischen Werk engagierte er sich auch als Autor, Dozent und öffentlicher Mahner. Besonders in den Jahren der AIDS-Krise setzte er sich offen und schonungslos mit Angst, Stigmatisierung und politischem Versagen auseinander – und rettete durch seine Aufklärungsarbeit nachweislich Leben.
Rosa von Praunheim blieb bis ins hohe Alter kreativ, streitbar und präsent. Sein Tod bedeutet einen großen Verlust für die deutsche Film- und Kulturszene sowie für all jene, die sich für eine offene, vielfältige und solidarische Gesellschaft einsetzen.
Sein Vermächtnis lebt weiter – in seinen Filmen, seinen Worten und in dem Mut, den er Generationen von Menschen mitgegeben hat, sichtbar zu sein und für sich selbst einzustehen.
Danke, Rosa von Praunheim.





